Mittwoch, 9. August 2017

Die Gedanken sind frei...

Meine Lieben,

in einem alten deutschen Volkslied heißt es in der ersten Strophe

Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten,
sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann Sie wissen,
kein Jäger erschießen,
es bleibet dabei,
die Gedanken sind frei.


Soweit, so tröstlich. Ist es doch in einer Zeit, in der vielerorts auf der Welt von machthungrigen Individuen vorgegeben wird was gedacht werden darf, eine Wohltat zu wissen: Ich darf alles denken was ich nur will!

In der zweiten Strophe des Liedes heißt es dann:

Ich denke was ich will,
und was mich beglücket,
doch alles in der Still,
und wie es sich schicket.


Dieser Teil des Liedes sollten sich viel mehr Zeitgenossen zu Herzen nehmen! Ich bin wirklich glücklich und froh, dass Gedanken frei sind. Aber nur weil ich alles denken darf muss ich es nicht auch alles laut in die Welt hinaus posaunen.

Genau genommen dürfte ich mir auch alles was ich hier aufschreibe denken - still und leise und ganz allein für mich. Ich darf es sogar aufschreiben und veröffentlichen. Was für eine großartige Errungenschaft unserer freien Gesellschaft! Müsst ihr es lesen? Nein - auch wenn ich mich über jeden Leser und jede Rückmeldung freue - ihr dürft mich gerne auch ignorieren. Ebenso wie ich nicht alles Lesen, sehen und hören will was andere denken, sagen und schreiben. Facebook und Twitter sind voll von Informationen, die jemand in einem Moment für so wichtig hält, dass sie in die Welt hinaus getragen werden müssen.

Ein Facebook Post, den ich ignoriere, lässt mich für gewöhnlich in Ruhe. Manchmal kommt er durch die Hintertür wieder in meine Timeline, wenn jemand unter meinen Freunden den Post liked oder kommentiert. Dann ignoriere ich ihn meist nochmal und damit hat es sich auch. Entweder interessiert mich nicht was da geschrieben steht oder ich möchte einfach nicht darüber diskutieren oder beim Thema mitreden oder, oder, oder...

Was aber macht man, wenn man eine Information unaufgefordert per Email bekommt? Eine ausführliche Email über eine knappe DIN A4 Seite voller "Gründe" warum etwas nicht funktioniert. Ja, man kann mit viel viel Augenzudrücken und Amthemavorbeidenken auf die Idee kommen, ich sei der richtige Adressat für ein "konstruktives Feedback".

Von konstruktiv waren die Emails jedoch Lichtjahre entfernt. Auch nach mehrmaligem Durchlesen finde ich nur Ausreden, fadenscheinige Behauptungen und jede Menge Unwillen, die eigene Leistung zu hinterfragen und an sich selbst den Fehler zu suchen bzw. wenn schon nicht den Fehler, dann doch zumindest die Möglichkeit zur Optimierung.
Keine Spur!
Jetzt würde ich ja sogar noch weiter darüber nachdenken, wenn ich das, was da geschrieben steht auch nur im Ansatz nachvollziehen könnte oder und er Praxis schon ähnliches erlebt hätte. Aber weit gefehlt. In meinem Umfeld finden diese beschriebenen Probleme nicht statt. Ein paar Telefonate zum Erweitern meines Horizonts ergaben: Auch bei allen Befragten ist die Lage ähnlich wie bei mir. KEINE PROBLEME!

Glaubt man den Verfassern der Mails ist die Lage dort aber eine ganz andere. In meiner Fantasie sehen sich diese einem wütenden Mob aus Fackel- und Mistgabelträgern ausgesetzt und kämpfen ums schiere Überleben.

Da ich mich jedoch weder für die persönlichen Befindlichkeiten der Verfasser verantwortlich fühle noch Potential erkennen kann, welches mich eventuell noch hätte ermuntern können hier mehr Zeit und Energie zu investieren, habe ich beschlossen die Emails zu ignorieren. Klappt bei Facebook und Twitter ja auch.

Leider musste ich heute erkennen, dass die Verfasser es damit nicht gut sein lassen wollen. Zwar wurde in den ersten Mails mit keinem Wort eine Rückmeldung von mir verlangt, doch wurde ich jetzt sehr deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass man doch mit einer Antwort gerechnet habe und die ja bisher ausgeblieben sei.
Nun bin ich wirklich ratlos. Was soll ich antworten, wenn meine ersten Reaktionen alle knapp an den Grundregeln des höflichen Umgangstons vorbei zielen?

Ein "Anstatt mich mit eurem Gejammert zu nerven solltet ihr einfach mal bei euch selbst prüfen woran es liegen könnt!" ist noch das weichgespülteste Satzkonstrukt, was mir einfallen will.

"Hört endlich auf andere für eure Unfähigkeit verantwortlich zu machen" kommt meinem Gefühl schon deutlich näher.

Da ich fließen zynisch spreche könnte es auch ein "Hiermit verleihe ich dir/euch den goldenen Vollpfosten" werden.

Um auf das Volkslied zurück zu kommen: Ich hätte mir an dieser Stelle gewünscht es wäre bei Gedanken geblieben. Keiner hätte Sie zu Papier gebracht oder wenn doch, dann niedergeschrieben und weggeworfen. Die "Kläranlage des Geistes" kann sehr hilfreich sein ohne andere damit zu belasten.


Was mich an der Sache so nervt und warum ich darüber schreibe:

Ich mag es nicht, wenn man die Fehler immer bei anderen sucht.

Ich wünsche mir mehr Eigeninitiative und weniger Warten darauf, dass andere es schon richten werden.

Wer Hilfe erwartet sollte bereit sein sich helfen zu lassen.

Wenn etwas nicht gelingt, versuche es anders! Es bringt dich nicht weiter wenn du immer dieselben Fehler machst. Mach andere und lerne daraus!

Höre deinen Mitmenschen zu!

Wenn jemand nicht versteht, was du erklärst, dann erkläre es in anderen Worten. Sind deine Worte nicht die richtigen, benutze andere Worte!

Willst du Erfolg haben, sei erfolgreich! Denke positiv! Stelle dir vor wie es sich anfühlt, wenn du ein Ziel erreichst, dann erreichst du es auch!

Formuliere positiv! Das beeinflusst deine Gedanken und dein Handeln. Wenn etwas misslingt sage dir "nächstes mal gelingt es mir" und nicht "es ist schon wieder nichts geworden"!

Akzeptiere es, wenn ich nicht auf Jammern und Nörgeln reagiere. Ich will mich nicht von deinen negativen Gedanken herunterziehen lassen. Ich lasse dich damit nicht im Stich. Willst du konstruktiv an einer Lösung arbeiten bin ich für dich da. Willst du jammern ohne etwas zu verändern, dann such dir jemand anderen!

Versuche nicht deine Probleme zu meinen zu machen.

Mich haben diese Emails jetzt viel Zeit und Energie gekostet ohne dass sie irgendwem genutzt hätten. Die Verfasser sind noch immer unzufrieden und zusätzlich bin auch ich unzufrieden. Ein Zustand, den ich mir nicht ausgesucht habe und für dessen Beseitigung ich wieder Energie aufwenden muss.


Wer jetzt immer noch da ist und bis hierher gelesen hat: Wie denkst du darüber? Was sind deine Ratschläge für mich oder solche Minusmenschen wie ich sie beschrieben habe? Wie geht ihr damit um, wenn andere ihre Probleme zu euren machen wollen?

Heute ist leider kein Rezept für den Backofen dabei - aber vielleicht kommt mit eurer Hilfe ein Rezept für das Leben zustande. Bis dahin lautet die Antwort: 42

Alles Liebe
Euer Steffen

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