Sonntag, 5. März 2017

Maddebloatz

Hallo meine Lieben,

vor einigen Tagen habe ich beim Aufräumen meines Bücherregals die handgeschriebenen Kochbücher meiner Oma durchgeblättert. Darin ist so viel Wissen, Erfahrung und Liebe mit Kugelschreiber in geübter Schönschrift festgehalten. So viel Erinnerung und so viel Herzenswärme. Dabei sind meine Gedanken dann auf Wanderschaft gegangen. Haben sich aufgemacht in die Jahre, in denen ich als kleiner Bub auf der Küchezeile sitzend dabei war wenn Oma gekocht und gebacken hat. Die Jahre, in denen meine Uroma mit mir "Backe backe Kuchen" gesungen hat oder mir einen Apfel geschält hat ohne dass die Schale dabei abgerissen ist. eine schier endlose Schlange aus Apfelschale, rundherum mit dem Messer fein abgeschält.

Auch in die Zeit, in der ich nach dem Kindergarten oder nach der Schule bei uns im Schuhgeschäft gespielt habe und in der meine Tante Paula auf mich und meinen Bruder aufgepasst hat. Tante Paula, die ihr Brot so lange ich denken konnte mit dem Messer direkt vom Laib abgeschnitten hat, und die den Brotlaib zuvor gesegnet hat. Tante Paula, die ihre ganze Wohnung mit großen Tüchern ausgelegt hat und darauf dann die selbst gemachten Nudeln zum Trocknen ausgebreitet hat. Bei ihr habe ich auch einige altmodische Begriffe und typische Bezeichnungen aus unserem Heimatdialekt aufgeschnappt. Zu Ihrem Wohnzimmerschrank sagte sie "Vertiko", sie legte Wert darauf "estimiert" zu werden und sie konnte fabelhaften "Maddebloatz" backen.

Leider habe ich kein Rezept für Maddebloatz in Omas Büchern finden können. Also habe ich das Internet bemüht und heraus gefunden, dass es diesen Kuchen im gesamten fränkischen und nordbadischen Raum gibt und dass man ihn Mattenplootz, Matteblooz oder eben Maddebloatz nennt. Übersetzen kann ich das nicht, aber es ist ja auch viel wichtiger wie gut der Kuchen schmeckt als wie er genau heißt :-) Aus den aufgestöberten Rezepten habe ich mein eigenes zusammengestellt:

Für ein Blech braucht ihr:
🖨 Rezept als PDF

Für den Teig:
350 g Mehl
1/2 Würfel frische Hefe
30 g Zucker
1 Prise Salz
125 ml Milch
1 Ei
50 g weiche Butter

Für den Belag:
1 kg Schichtkäse (oder Quark)
1/2 TL Salz
2 Eier
2 Eiweiß
120 g Zucker
2 EL Stärke
125 g gebräunte Butter

Für den Guss:
1 Becher Saure Sahne
2 Eigelb
2 EL Stärke

So wird's gemacht:

1. Backofen auf 180°C bei Ober-/Unterhitze vorheizen. Milch mit 1 TL Zucker und Hefe verrühren und ein paar Minuten beiseite stellen. 120 g Butter zerlassen und leicht anbräunen lassen. Dann auf Raumtemperatur abkühlen lassen.

2. In eine Rührschüssel Mehl, Zucker, Salz, Ei und Butter geben. Die aufgelöste Hefe dazu gießen und alles zu einem geschmeidigen Teig verkneten. abgedeckt etwa 20 Minuten gehen lassen.

3. Für den Belag den Schichtkäse abtropfen lassen und dann mit Eiern und Eiweiß, Stärke, Zucker und Salz verrühren. Die gebräunte Butter dazu geben und die Masse glatt rühren.

4. Zuletzt die Zutaten für den Guss miteinander verrühren. Die Arbeitsfläche mit Mehl bestreuen und den Hefeteig ausrollen. Dann den Teig auf ein gefettetes Backblech legen und die Ränder etwas nach oben drücken.

5. Den Belag darauf gießen und gleichmäßig verstreichen, oben drauf den Guss verteilen und ebenfalls glatt streichen. Nach Belieben noch ein paar Butterflöckchen oben drauf verteilen.

6. Auf der mittleren Schiene etwa 45 bis 50 Minuten goldbraun backen. Auf dem Blech abkühlen lassen.


Ihr könnt auch noch eine Handvoll Rosinen auf dem Hefeteig verteilen bevor ihr die Quarkmasse darüber gießt oder auch Mandarinen aus der Dose in die Masse geben. Mir war aber nach einem ganz einfachen und ursprünglichen Rezept, das nach "Guter alter Zeit" und nach Liebe und Geborgenheit schmeckt.

Alles Liebe
Euer Steffen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen